27 März, 2008 - 12:29
Für den Fall dass die Deutschen nicht erneut auf das Großrisiko Kernkraft setzen, drohte E.on-Chef Wulf Bernotat mit massiven Stromausfällen, die Rede ist von einer "Stromlücke". Reine Panikmache, sagen die Grünen und fordern statt Drohungen stärkere Energiespar-Bemühungen.
Am Wochenende sagte E.on-Chef Wulf Bernotat in der "Welt am Sonntag", er rechne für die Zeit um 2020 mit Strommangel, wenn Deutschland nicht wieder auf die Kernraft setze. Ähnliches ist seit geraumer Zeit auch von RWE-Chef Jürgen Großmann zu hören. Und auch die dem Bundeswirtschaftsministerium zuarbeitende "Deutsche Energie-Agentur (Dena)" spricht von einer riesigen Stromlücke: Schon 2012 könne Deutschland den Bedarf an Elektrizität nicht mehr aus eigener Kraft decken.
Die Fakten hingegen sehen anders aus: Trotz Stillstand mehrerer Atomkraftwerke exportierte Deutschland im Jahr 2007 noch immer rund 14 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Ausland. Der Stromexportüberschuss erreichte in den vergangenen Jahren Rekordwerte, für 2008 wird eine ebensolcher erwartet. Daher geben die Experten auch Entwarnung: Der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König, erklärte: "Es
gibt keine Stromlücke." Und auch das Umweltbundesamt (UBA) hält die Energieversorgung in Deutschland nicht zwangsläufig für gefährdet.
Voraussetzung dafür ist dass die Vorgaben zur Senkung des Stromverbrauchs um 11 Prozent von 2005 bis 2020 und der Ausbau erneuerbarer Energien konsequent umgesetzt werden, so das UBA. Die Grünen Fraktionschefin Renate Künast wird den Konzernen daher Panikmache vor. "Statt der Bevölkerung mit Stromausfall zu drohen, muss sich Bernotat mit der Zukunft des Landes beschäftigen". Die Stromerzeuger müssten Wettbewerb und eine dezentrale Energiewirtschaft zulassen, zudem müssten dringend Maßnahmen zur Energieeinsparung ergriffen werden. "Ein Weiter-so kann sich Deutschland nicht leisten und die Risikotechnologie Atom auch nicht", sagte Künast.
Mehr Informationen:
» "Der gefährliche Weg in die Stromlücke". Artikel auf gruenes-klima.de
» Spiegel-online: "Grüne attackieren E.ons Licht-aus-Strategie"
» taz: "Die "Stromlücke" ist ein Kampfbegriff"
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